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Themenreihe FreePBX 15/Asterisk 16-Teil 6.5. Userfragen-FreePBX auf dem Raspberry

 

Technisch gesehen ist FreePBX eine Linux-Software, welche auf jedem Computer installiert werden kann  auf dem Linux als Betriebssystem läuft. In den Repositories der meisten Linux-Distributionen ist FreePBX verfügbar. Das erfordert allerdings einiges an Aufwand und Fachwissen. Denn damit die Funktionen von FreePBX auch alle nutzbar sind, müssen noch weitere, teils komplexe Linux-Programme installiert und konfiguriert werden.

Um diesen Aufwand zu sparen und die Installation zu erleichtern gibt es verschiedene kostenlose FreePBX-Distributionen. Mit diesen Distributionen können Linux, FreePBX und alle erforderlichen  Zusatzprogramme in einem Installationsschritt installiert werden. Allerdings sind diese Linux-Distributionen nur auf Hardware lauffähig, für welche sie erstellt wurden. Unsere FreePBX-Themenreihe basiert auf der Original Sangoma-Distribution und diese ist z. B. auf einem Raspberry nicht lauffähig.

Unter http://www.raspberry-asterisk.org/ gibt es ein Projekt für die FreePBX auf dem Raspberry. Auf dieser Website steht eine FreePBX-Distibution speziell für den Raspberry zum Download bereit. Weiterhin gibt es dort hilfreiche Anleitungen und ein Forum. Dort bekommt man also auch einen Support.

Damit sollte es jedem Raspberry Fan gelingen eine funktionstüchtige FreePBX auf dem Raspberry zu installieren.

Aber ist es auch sinnvoll eine Telefonanlage auf einem Raspberry zu installieren?

Meiner Meinung nach kommt das auf den Einsatzzweck und die benötigte Leistung an. Nach den im Web verfügbaren Informationen und auch nach meiner eigenen Auffassung ist die Leistung z. B. eines Raspberry Pi 3 ausreichend für 15 Nebenstellen mit einem bei dieser Nebenstellenzahl durchschnittlich zu erwartendem Aufkommen an gleichzeitigen Gesprächen. Was den Einsatzzweck betrifft, so gilt es hierbei im wesentlichen zu unterscheiden zwischen privater und geschäftlicher Nutzung und den damit verbundenen Anforderungen an ein Telefonsystem.

Gegen die private Nutzung einer FreePBX auf einem Raspberry ist aus meiner Sicht nichts einzuwenden. Für weniger als hundert Euro bekommt man eine äußerst leistungsfähige Telefonanlage. Und wenn es mal eine Störung oder einen Ausfall gibt, dann bricht auch nicht gleich die Welt zusammen. Man kann ja noch mit dem Handy telefonieren bis die FreePBX wieder läuft.

Bei der Nutzung im geschäftlichen Umfeld sieht das schon anders aus. Die permanente Kommunikationsfähigkeit und Erreichbarkeit ist ein wichtiges Wettbewerbskriterium. Hat ein Kunde Interesse für eines der Produkte welche Sie verkaufen und Sie sind gerade nicht erreichbar, dann ruft er beim nächsten Anbieter an und Ihnen geht möglicherweise ein interessanter Auftrag verloren. Über Google ist ein anderer Anbieter schnell gefunden. Ich selbst habe das auch schon erleben müssen. Meine Kunden sind von mir eine ständige Erreichbarkeit gewohnt und bei bestimmten Produkten benötigen sie diese auch. Nun passierte es mir einmal, dass ich bei einem Außentermin vergaß mein Handy mitzunehmen. Da nützt dann auch die beste automatische Rufumleitung nichts. Genau in dieser Zeit benötigte einer meiner Kunden meine Unterstützung bei einem dringenden Problem. Der Kunde war darüber, dass er mich nicht sofort erreichen konnte so verärgert, dass er in Erwägung zog zukünftig eine andere Firma mit der Betreuung zu beauftragen. Mehrere Jahre guter Zusammenarbeit schienen plötzlich ihre Bedeutung verloren zu haben. Glücklicherweise konnte ich dieses Unheil noch abwenden. Das zeigt aber, dass Kundenbeziehungen sehr sensibel sein können. Wenn man die Möglichkeit hat, Belastungen solcher Beziehungen durch entsprechende technische Maßnahmen zu minimieren, dann ist das immer gut angelegtes Geld.

Aus diesem und weiteren Gründen sind Telefonanlagen im geschäftlichen Umfeld in der Regel als Hochverfügbarkeitssysteme ausgelegt, genau so wie Computernetzwerke. Dabei wird der Begriff Hochverfügbarkeit in Abhängigkeit der einzelnen Firmen insbesondere der Firmengrößen durchaus unterschiedlich definiert. Aber eine hohe Verfügbarkeit ist im geschäftlichen Umfeld unabdingbar. Nun könnte man darüber diskutieren was unter Hochverfügbarkeit genau zu verstehen ist. Aber das allein wäre einen oder gar mehrere einzelne Beiträge wert.

Aber eins kann man mit Sicherheit sagen: Der Raspberry erfüllt diese Anforderungen nicht. Dafür wurde er auch gar nicht entwickelt.

Der Raspberry Pi kam Anfang 2012 auf den Markt; sein großer Markterfolg wird teils als Revival des bis dahin weitgehend bedeutungslos gewordenen Heimcomputers zum Programmieren und Experimentieren angesehen. Der im Vergleich zu üblichen Personal Computern sehr einfach aufgebaute Rechner wurde von der Stiftung mit dem Ziel entwickelt, jungen Menschen den Erwerb von Programmier- und Hardware-Kenntnissen zu erleichtern (Wikipedia).

Auf Grund des großen Markterfolges wurden für den Raspberry inzwischen zahlreiche Zusatzkomponenten entwickelt um die Einsatzbreite im Home-Bereich zu erweitern.

Es existiert ein großes Zubehör- und Softwareangebot für zahlreiche Anwendungsbereiche. Verbreitet ist beispielsweise die Verwendung als Mediacenter, da der Rechner Videodaten im H.264-Codec mit voller HD-Auflösung (1080p) und HEVC-Videodaten mit 4K-Auflösung (4k60, seit Raspberry Pi 4) dekodieren und über die HDMI-Schnittstelle (1080p30 Raspberry Pi 3, 2x 4k60 ab Raspberry Pi 4) ausgeben kann. Als Betriebssystem kommen vor allem angepasste Linux-Distributionen mit grafischer Benutzeroberfläche zum Einsatz; für das neueste Modell existiert auch Windows 10 in einer speziellen Internet-of-Things-Version ohne grafische Benutzeroberfläche (Wikipedia).

Also wie gesagt: Der Raspberry wurde entwickelt und ist bestens geeignet für den Home-Bereich und dort natürlich auch für’s telefonieren. Vom Einsatz im geschäftlichen Umfeld rate ich ab.

Wie unschwer auf unserer Website erkennbar ist sind wir ein IT-Systemhaus, welches überwiegend Geschäftskunden betreut. Diese FreePBX-Themenreihe stellen wir kostenlos zur Verfügung um die weitere Verbreitung dieser hervorragenden VoIP-Telefonanlage zu fördern und um dem technisch interessierten Leser unsers Blogs anhand von Nachbauanleitungen einen Einstieg in die VoIP-Telefonie zu ermöglichen und einen Überblick über die hohe Leistungsfähigkeit dieser Anlage zu geben.

Für den Fall dass ein Anwender beim DIY an seine Grenzen gerät oder die Komplettinstallation in Auftrag geben möchte stehen wir mit unserem Dienstleistungsangebot bereit.

Auch wir halten den Raspberry für einen hervorragenden Homecomputer, können Installationen auf dem Raspberry aber auf Grund unserer Geschäftskundenorientierung derzeit leider nicht supporten.

 

 

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